Eine super Reise, die in vielerlei Hinsicht ganz anders lief, als ich es mir vorgestellt hatte.
Am 19. Juni stand ich tatsächlich schon um 4:40 Uhr in der Früh auf dem Bahngleis am Fuldaer Bahnhof.
Warum denn so früh? Weil ich einen ausreichend großen Sicherheit-Puffer haben wollte, um auf jeden Fall meine Fähre in Kiel rechtzeitig und stressfrei zu erreichen. Die Color-Line fuhr dort nämlich um 14:00 Uhr ab Richtung Oslo – dem Ausgangspunkt der Rundreise durch Skandinavien…
Und genau dort wollte ich mit meinem Freund Jochen nach der Überfahrt zusammenkommen und unsere 9-tägige Tour durch Norwegen, Schweden und Finnland zu starten.
Durch seine großartige Expertise und Detailarbeit hat er schon lange eine Route ausgearbeitet, die uns in den nächsten Tagen an viele interessante Orte und über spannende Strecken führen sollte!
Hier findet Ihr seinen Reisebericht in drei Teilen:
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,11513870
Da wir fast ausschließlich Züge nutzten und Bahnhöfe ansteuerten, stand natürlich schon lange die Frage im Raum, welchen meiner Rollstühle ich denn dafür nutze. Nach einigen Überlegungen habe ich mich entschieden, mir für die Reise extra einen weiteren Rolli zu mieten… Es ging um Gewicht, Reichweite, Größe etc.
Ich brauche einen faltbaren Elektro-Rollstuhl. Und schnell fiel dann die Wahl auf das Angebot von Ergoflix.
Faltbarer Elektro-Rollstuhl, ausreichende Reichweite von 30 km, nur etwas über 20 kg schwer.
Und für 4 Wochen Mietzeitraum habe ich € 439,- bezahlt.
Weil wir natürlich nicht nur Züge zum schnellen Vorwärtskommen auf unserer Liste hatten, sondern eben auch Bummelzüge, mit denen wir die Landschaft genießen wollten.
Aber dann eben auch ohne Hebebühnen, Rollstuhl-Plätzen etc.

Der ICE solte um 10:40 Uhr in Kiel eintreffen, also wirklich viel Zeit für das Umsteigen auf die Fähre…
Dachte ich! Aber es kam ganz anders:
Der ICE schaffte es bis Hannover, Weiterfahrt ausgeschlossen! Und Kiel war auch mit einem anderen Zug nicht möglich – weshalb uns dann ein Zug nach Hamburg angeboten wurde…
Zum Glück hatte ich ab diesem Zeitpunkt quasi eine Standleitung nach Oslo. Dort war Jochen ja schon und ab diesem Moment standen wir in regelmäßigen Telefonkontakt, welche Optionen sich denn anbieten.
Es war schnell klar, dass ich die Fähre in Kiel nicht mehr rechtzeitig erreichen werden.
Umdisponieren also – am Hamburger Flughafen gab es noch einen Flug nach Oslo am Nachmittag.
Um 12.21 Uhr erreichte der ICE Hamburg. Aber aufgrund ausgefallener Fahrstühle am Hauptbahnhof die nächste Haltestelle Hamburg Dammtor.

Ich bin dann mit dem Taxi von dort an den Hamburger Flughafen und vergesse die erste Begegnung dort sicher nicht!
Bin an einen Info-Schalter des Flughafens und habe meine Situation geschildert: „Ich muss heute mit dem Flieger der norwegian-Airline nach Oslo – zusammen mit meinem Elektro-Rollstuhl…“
Also drei fantastische Bedingungen: Ich mit den Nerven durch, kein Flugticket und außerdem eine Batterie im Rollstuhl, die eigentlich immer 24 Stunden vor Abflug mit allerlei technischen Daten angemeldet werden muss, um in ein Flugzeug zu dürfen…
Laura, die Mitarbeiterin des Flughafens, war gefühlt die nächsten 120 Minuten an meiner Seite, hat viele Telefonate geführt – bis ich schließlich das Ticket für den Flug nach Oslo in den Hand hatte…

Mir viel in diesem Moment ein riesiger Stein ab – es war tatsächlich über meiner Energie-Grenze… Und also dann noch einer der beiden Akkus im Rollstuhl verhakt war und sich nicht lösen ließ…
Aber irgendwann war das alles geschafft und ich saß im Flieger nach Oslo!!

In Oslo angekommen hat mit Jochen am Flughafen empfangen und wir sind zusammen in das direkt benachbarte Radisson-Hotel. Dort habe ich mir ein Zimmer für die Nacht gebucht – dann ging es ins Restaurant – endlich etwas zu Essen… Hatte ich total vergessen in den Stress.
Ich bin nach dem sehr leckeren Essen um 22:30 Uhr im Hotelzimmer angekommen; Gefühlt fünf Minuten später habe ich tief geschlafen.

Ausgeschlafen und durch ein großes Frühstücksbuffet gestärkt bin ich dann – wieder mit dem Taxi nach Oslo in die Innenstadt aufgebrochen, um dort mit Jochen zusammen zu kommen und endlich die eigentliche Reise zu starten. Und bei dieser Gelegenheit durfte ich Gisela kennenlernen – Familienmitglied aus Jochens Verwandtschaft. Sehr interessant – wir sind mit Ihr zusammen eine kleine Runde durch das Wohnviertel geschlendert, in dem sie lebt.
Und vor dieser kleinen Runde hat sie mir ein wunderbares Willkommens-Geschenk aus Ihrem Haushalt überreicht: Ein Sitzkissen! Denn das vom Rollstuhl ist im Gepäckraum leider verloren gegangen…
War ich dankbar, denn 10 Tage auf dem Rollstuhlrahmen zu sitzen wäre mehr als unbequem gewesen! 😉
Sehr schöne Gegend, viel Grün, öffentlichen Saunen, Cafe´s –in einem haben wir dann etwas Süßes genossen, bevor wir uns Richtung Bahnhof verabschiedet haben.

Um 17:00 Uhr waren wir pünktlich am Gleis und ich war das erste Mal in der Situation, wie der Einstieg mit Rollstuhl hier wohl klappt.
Und siehe da: Wie im Vorfeld per Mail angefragt, gab es keinerlei Schwierigkeiten.
Der Zug war vom Bahnsteig aus quasi auf gleicher Höhe zu befahren. Und super gelöst war es, in diesen Zügen auf die Ebene der Sitzplätze zu kommen! Hubplattform innerhalb des Zuges!
Und natürlich eine sehr hilfsbereite Zugbegleiterin.

Und dann lag die erste Strecke vor uns: Von Oslo nach Karlstad
Durch schöne Landschaft mit ganz vielen Seen und Flüssen haben wir das tolle Wetter und schöne Aussichten sehr genossen.


Und weil auch Reisen und die vielen Eindrücke Energie kosten, sind wir nach einer kurzen Runde doch die Fußgängerzone von Karlstad dann sehr zufrieden in unsere Hotelbetten gefallen – beides in der Nähe des Bahnhofes, also zu Fuß bzw. Rolli gut erreichbar.
Ach ja: Die schwedischen Fußball-Fans, mit denen wir gerne den Sieg über Holland gefeiert hätten, haben trotz des Endstandes von 1:5 in diesem WM-Spiel das sehr locker genommen und den Abend genossen und in den Straßen gefeiert ;.)
Am nächsten Morgen haben wir uns am Frühstücksbuffet des Hotels bedient und waren gegen 08:00 Uhr wieder auf dem Weg zum Bahnhof.
Auch in diesen Zug ging es auf gleicher Höhe von Bahnsteig über eine kleine Brücke in unseren Zug nach Stockholm. Also für mich easy – Rampe / Brücke im Zug, freundliches Personal!

Und natürlich waren wir schnell dabei, als uns ein Frühstück am Platz angeboten wurde. Brötchen, Marmelade, Honig und sogar ein Ei zur Stärkung bis zur Ankunft in Stockholm!

Und dann kamen wir in Stockholm an… Riesengroßer Bahnhof, viele Menschen, Großstadt eben. Und weil wir ein Programm hatten, sind wir zügig aufgebrochen und Richtung Anlegestellen unterwegs gewesen.
An vielen wunderbaren Bauten vorbei – und immer umspült von so viel Wasser…

Und nach einigem Suchen haben wir es doch gefunden: Das kleine Ausflugs-Schiff, mit dem wir zwei Stunden die schönen Stadtansichten vom Wasser aus sehen konnten.
Und Alex, der Guide, hat während dieser Fahrt ganz viele, sehr interessante Infos und auch lustige Geschichten über Stockholm erzählt… Spannend und unterhaltsam.
Zum Beispiel, dass Stockholm in der letzten Eiszeit etwa 2.000 m hohem Eis bedeckt war…

Um 20:00 Uhr waren wir dann auch pünktlich am Terminal der Viking-Fähre, mit der wir die Überfahrt nach Finnland genauer gesagt nach Turku machen wollten.
Und auf dem Schiff haben wir an diesem Abend mal wieder richtig genossen. Das Restaurant auf der siebten Ebene war toll. Super Küche, Piano-Musik und ein toller Service; So kann jeder Abend zu Ende gehen…
Und weil Jochen und ich quasi zeitgleich wach wurden, haben wir den Mitsommer genutzt und sind auf das Freideck der Fähre gegangen.
Keine Menschenseele, aber eine bombastische Stimmung!

Und nach dem Anlegen in Turku wartete schon unser nächster Zug auf uns: Es ging von Turku über Tampere nach Helsinki,.
Und weil das ein Doppelstock-Wagen war, habe ich meinen Rolli kurzerhand gefaltet und mit den Reisetaschen zusammen in ein dafür vorgesehenes Regal gestopft…
Und da hab ich es wieder stark empfunden: Ganz große Dankbarkeit – Rollstuhl mieten, Reise buchen, Treppen steigen, Freund dabei… Es ist unwahrscheinlich schön, dass ich da alles habe und kann!

In Helsinki angekommen, haben wir so gegen 12:00 Uhr erstmal „Landgang“ gemacht. Ich habe in irgendeiner Situation, mal wieder, irgendwo meine Cap liegen gelassen, also musste eine neue her. Außerdem brauchten wir Wasservorräte. Jochen und ich haben dann in einem Straßencafé Kuchen / Eisbecher und Espresso genossen 😉

Natürlich hatten wir bis zur Abfahrt unseres Nachtzuges nach Rovaniemi um 19:30 Uhr massig Zeit den Flair von Helsinki auf uns wirken zu lassen – und ein nachmittäglicher Snack hat uns dann die Energie für die nächste Strecke gegeben.
Am Bahnsteig hatten wir Zeit, um uns auch einen kleinen Sprachkurs zu geben: Für was ist wohl diese Klappe am Zug? Kommt von hiekka, was Sand bedeutet… A ja; hier wird also Anti-Rutsch-Material eingefüllt, der zum Anfahren vor die Räder gestreut wird! Toll, diese ganze Zugtechnik.

In diesem ebenfalls zwei-stöckigen Zug haben wir noch dem Verstauen der Koffer in unseren Abteilen wieder den Speisewagen gestürmt, um uns dort einen schönen Sitzplatz zu sichern. Und wieder ein echt schöner Platz, um sich das ein oder andere schmecken zu lassen. Toll diese Waben-Struktur!
Und das unten ist kein Agenten-Verbot sondern der Hinweis aus Platzgründen auf Hunde, Zigaretten, Koffer und dicke Mäntel und große Hüte zu verzichten – Platz ist knapp!

In dieser Nacht ging die Sonne auch wieder nicht unter. In dem Schlafabteil für Rollstuhlfahrer habe ich gemerkt, dass da jemand wirklich gewusst hat, was er tut.
Bett, Waschbecken, Schränke, Lichter, Haltegriffe… Alles an der richtigen Stelle! Fantastisch.
Ich muss aber auch sagen, dass es er erste Schlafwagen war, den ich benutzt habe. Aber solche Erfahrungen immer wieder gerne.


Um 7:20 liefen wir pünktlich in Rovaniemi ein und schossen als Erinnerung noch das Logo des Santa-Claus-Expresses

Und wie kommt man auf die Idee, Rovaniemi anzufahren? OK, Hauptstadt von Lappland und Weihnachtsmann-Dorf..
In den Nikolaus-Park hat es uns nicht getrieben, aber diesen Weihnachtsbaum, an dem man seine Wünsche an den Nikolaus platzieren kann, fanden wir trotzdem niedlich!

Von Rovaniemi ging es dann zwei Stunden später durch wirklich schöne Natur weiter nach Kemi.

Und tatsächlich hängen selbst in solchen „kleinen“ Zügen Defibrilatoren, falls ein Passagier Herzprobleme bekommt und Hilfe benötigt.

Und weil leider die Strecke Kemi-Haparanda gesperrt war, hat Jochen schon vor dem Start unserer Reise für dieses Teilstück ein Taxi für uns bestellt.
Hat schon auf uns gewartet!
Und deswegen war wir gegen 11:45 Uhr auch planmäßig in Haparanda!


Rampe in den Bahnhof 
Ruftaster für Unterstützung 
Mehrsprachige Hinweise, auch für blinde Menschen 
Historisches Innere 
Digitale Hinweistafel
Und als deutscher Rollstuhlfahrer fehlen mir hier fast die Worte…
Uralter Eingang, antike Holzbänke, Fliesen am Boden und Wänden…. Und: Alles barrierefrei!!!
Natürlich eine funktionierende Rollstuhl-Toilette, Ruftaster für Hilfemeldungen, mehrsprachige Hinweistafeln, Punktschrift inklusive!! Und ein hochaufgelöster, digitaler Info-Screen an der Wand!
Rätsel des Jahres: Warum genau waren bei meinem letzten Ankunft im Hauptbahnhof Hamburg (Tor zur Welt) ALLE drei Rollstuhl-Toiletten außer Betrieb?

Bei unserem Bummel durch Haparanda sind wir neben toller Gebäuden auch an vielen regelmäßig abgesengten Bordsteinen vorbeigekommen – macht auch Rollstuhlfahrern den Seitenwechsel deutlich einfacher. Aber wichtig war, dass wir die Pizzeria Amanda gefunden haben – Denn Reisen macht hungrig!


Nach der Stärkung lief unser nächster Zug planmäßig aus und wir haben einmal mehr die tolle Natur und die sehr bequeme Reise, diesmal nach Boden, genossen.

Dort angekommen, hat mich die versenkbare Plattform im Zug wieder von der Passagier- auf die Bahnsteig-Ebene gebracht. Echt ne coole Konstruktion! Und Fußgänger können einfach schnell an der Seite vorbei-huschen 😉

Am Zentralbahnhof angekommen, haben wir die zwei Stunden Aufenthalt genutzt – und haben uns in ein sehr gemütliches Café gesetzt und Kaffee und Kuchen genossen.


Nach den drei Stunden Aufenthalt in Boden sind wir dann – diesmal als Schienen-Ersatz-Verkehr – mit dem Bus weiter nach Gallivare gefahren (worden).
War etwas weniger komfortabler, als in den großzügigen Zügen, aber es war leider keine andere Verbindung möglich. Dieses Stück also tatsächlich noch ein bisschen schwieriger als Rolli-Fahrer… Zumindest gab es eine kleine Bus-Toilette – aber das war wie ein etwas größeres Nadelöhr für mich 😉
Aber wir wurden mit Elchen für die Unannehmlichkeiten belohnt!!!

Und das war dann ein echt toller Abschluss unserer Fahrt!

In Gallivare angekommen, sind wir auf direktem Weg in unsere Unterkunft Grand Hotel Lappland.
Dort war das Restaurant etwas zu überfüllt für mich, so dass wir beide einen kleinen Snack von der Bar mit auf´s Zimmer genommen haben.
Nach dieser langen Etappe bin ich ziemlich erschöpft und mit vielen Eindrücken schnell in tiefen Schlaf gefallen!
Am nächsten Tag starte unsere Weiterreise bereits um 8:00 Uhr.
Daher fanden wir uns bereits um 07:00 Uhr am Frühstücksbuffet ein, dass sehr zufriedenstellend und echt vielfältig war.
Leider kam anstelle des Zuges ein weiterer Bus, da eine Teilstrecke nach Sorsele nicht mit dem Zug befahrbar war. Also wieder Schienen-Ersatz-Verkehr bis nach Jokkmokk.
Aber die Infos, die der Busfahrer so erzählte, waren interessant. Wir passierten den größten Staudamm Schwedens mit dem ertragreichsten Wasserkraftwerk. Mit etwa 700 GigaWatt Leistung produziert es etwa 2.000 GW Strom im Jahr. Vergleich (ehem.) AKW Grafenreinfeld lieferte etwa 1.300 GW Energie.

Und wie erwartet, sind wir dann 90 Minuten später in Jockmock angekommen, wo wir endlich unser geplantes und erwartetes Reisemittel – die Inlandsbanan – nutzen konnten!

Und so waren wir also wieder auf unsere Spur!
Die Züge der Inlandsbanan haben eine spannende Geschichte hinter sich. Zu Beginn war die Nord-Süd-Verbindung im Landesinneren erst für Verteidigungszwecke errichtet; Dann später, um Rohstoffe im Land zu transportieren.
Mit dem Zug verbreitete sich natürlich auch Bildung, Wissen übers Land….
Zum Glück hatte die Interessengemeinschaft dieser Zugstrecke Erfolg! Die Bahn wurde erhalten und dient heute vor allem Pendlern und Touristen!
Auf einer Strecke von 1.288 km erlebt man Schwedens Regionen also in Bummelbahn-Geschwindigkeit!

Und was da alles passiert: Auf der Strecke von Jockmock bis nach Mora haben wir so viele schöne Begegnungen, Mitreisende und Situationen erlebt…
Hier mal der Wikipedia-Artikel mit den Haltestellen der Inlandsbanan (https://de.wikipedia.org/wiki/Inlandsbahn), an denen natürlich nur bei Bedarf angehalten wird…

Der erste Stopp für uns war Sorsele mit seinem Bahnhof – der ein total interessantes kleines Museum beherbergte, in dem wir einige schöne Stunden verbracht haben.
Leckeren Kaffee, hausgemachtes Eis und Kuchen, viele sehr hilfsbereite Menschen und spannende Geschichten inklusive!!
Jochen und ich haben uns da so sehr wohlgefühlt… Und natürlich habe ich die Menschen dort angesprochen – und wie kommt es, dass das auf Deutsch weitergeht!? Klar: Schweizer Familie ist nach Schweden ausgewandert, Schwester und Sohn arbeiten neben dem Studium im Museum…
Und die ganzen Exponate haben Jochen und mich echt neugierig gemacht.
Da kam dann eines zum anderen und ich habe einen Angestellten dort von Jochens Eisenbahn-Leidenschaft erzählt, und ob er uns denn ein bisschen was zu den vielen Stücken sagen kann!?
Und wie sehr haben wir uns gefreut, dass er uns angeboten hat, am nächsten Vormittag eine Führung für uns zur mache!!! Toll!
Nach dieser Nachricht haben wir uns aufgemacht in unsere gebuchte Unterkunft. Diesmal in einem Ferienhaus, in dem es großzügige Gemeinschaftsräume, eine Küche, zwei Bäder und für die Gäste Einzel- und Doppelzimmer gab. Mit nach uns anreisenden Holländern haben wir uns kurz ausgetauscht – Sohn mit Ehefrau waren zu Besuch beim Vater, um mit den drei Motorrädern eine Rundfahrt durch seine Heimat zu unternehmen. Er selbst ist einige Jahre vorher nach Schweden ausgewandert…




Esstisch im Gemeinschaftsraum
Und natürlich sind wir ganz in der Nähe wieder zum Essen gegangen. Das River-Hotel war schnell erreicht und wir haben uns richtig satt gegessen – für mich als Vegetarier hier oben im Norden oft mit ausreichender Auswahl auf den verschiedenen Speisekarten!

Und weil das Wetter wieder wunderbar mitgespielt hat, sind wir rund um das Hotel, auf die große Terrasse und an den Fluss gegangen. Dort hat Jochen dieses tolle Bild gemacht… Himmelstreppe mal anders interpretiert 😉
Nach dem Essen ging’s zurück in die Unterkunft und ganz direkt in die Federn… Ach ja: Vorher hab ich das Angebot des Vermieters angenommen und ein Anti-Mücken-Gerät an die Steckdose gehängt – viel Wasser, viele Mücken! Hat geholfen; ich bin unverletzt am und usgeruht am nächsten Tag aufgestanden.
Nach einem kurzen Abstecher in den Supermarkt waren wir rechtzeitig am Bahnhof, also im Museum, um ein ausgiebiges Frühstück dort zu nehmen. Wie vereinbart trafen wir um 11:00 Uhr unseren „Museumsführer“, der uns sehr viel über den die einzelnen Exponate, die Geschichte der Inlandsbahnen und der Entwicklung der schwedischen Regionen entlang der Bahnstrecke erzählen konnte.
Ein sehr interessanter Reise.-Moment und so angenehme Menschen dort!

Nach einem sehr entspannten Vormittag sind wir dann gegen 14:30 Uhr für unseren nächsten Abschnitt wieder in die Inlandsbahn gestiegen – diesmal mit dem Ziel Östersund.

Und wie super – wieder war Alex unsere Begleitperson im Zug. Ein Londoner, der hier in Schweden gelandet ist und wirllich viel über Strecke, Orte und Geschichten zu erzählen weiß. Außerdem ist er aufmerksam und versorgt „seine“ Fahrgäste sehr gut mit Angeboten aus Kühlschrank, Küche und Kisten voller Souvenirs… 😉
Wichtig: Rollstuhl in diesen Zügen ist eindeutig nur machbar, wenn Ihr, wie ich selbst ja auch, ein paar Schritte und Stufen auf den Beinen schafft – normale E-Rollstühle oder nicht-klappbare Alternativen finden in diesen Wagons auch leider keine Fläche zum Befördern.
Während der Fahrt haben wir einen kurzen Stopp am Bahnhof von Storuman gemacht.
Unser Zugführer hat dann kurz seinen Führerstand verlassen, um mit seinem Feuerlöscher einen brennenden Abfalleimer direkt neben der Holz-Fassade des Gebäudes zu löschen – gut, dass wir vorbeigekommen sind!!

In Wilhelmina, unserem nächste n Stopp sind wir mit allen anderen Zugreisenden ausgestiegen und haben in einem nahgelegenen Restaurant gegessen. Super Angebote dort und schöne Stimmung.
Ich habe einen fantastischen Salat genossen, für meinen Fleisch-liebenden Freund Jochen gab es Rentier- und Elch-Fleisch.


Wieder im Zug sind wir mit zwei Schweizern ins Gespräch gekommen – beide Studenten, die sich wohl wissenschaftlich mit dem Thema Infrastruktur in ländlichen Gegenden beschäftigen. Das schwedische Beispiel einer fast aufgegebenen Strecke ist sicher eine Untersuchung wert.

In meinem kleinen Kurort Bad Brückenau sind Gleise abgebaut, Gebäude stehen leer… Anschluss in Nachbar-Gemeinden oder gar den Mittelzentren in der Umgebung nur noch per Bus (seltenst unterwegs), Taxi oder eigenem KFZ möglich.
Der entstandene Bahn-Rad-Weg ist für mich als Rollstuhlfahrer natürlich super – Und größere Strecken schaffe ich ja mit dem Auto.
Aber wie sehen das weniger mobile Menschen hier in der Tampa? Oder Jugendliche?

Nach der Ankunft in Ostersund um 22:00 Uhr sind wir wieder direkt in unser heutiges Hotel gelaufen – sehr nahe am Bahnhof, dafür aber sehr sehr kleine Zimmer mit winzigen Bädern… Aber ausreichend für eine kurze Nacht!

Denn um 07:00 Uhr ging es wieder auf Gleis! Heute der letzte Abschnitt mit den Inlandsbanan bis Mora.
Schon auf dem letzten Wegstück haben wir uns von Christine und Ihren Eltern verabschiedet. Wir haben uns im Zug kennengelernt. Die drei kam aus der Nähe von Karlsruhe und die gemeinsame Reise war so eine Art Familien-Projekt!
Ich denke, solche Erlebnisse sind etwas wirklich ganz besonderes – Wir haben unsere Mail-Adressen ausgetauscht… Christine wartet sicher auf den Reisebericht, der mit (deutscher) Bahnregelmäßigkeit eine ganz ordentliche Verspätung hat… 😉
Und natürlich wieder ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft der ganzen Mannschaft an Bord des Zuges:
Kim, unsere neue Bahn-Begleiterin konnte in einem etwas verwundenen Klick-Pfad über mehrere Internetseiten mithelfen, so dass Jochen den richtigen Button erreichte, um sich sein Inalndsbanan-Andenken-T-Shirt online zu bestellen. Seine Größe war leider schon ausverkauft.

Und wieder eine besondere Begegnung: Ein aus England stammender Mitreisender und Jochen hatten eine Art Seelenverwandschaft 😉 Zug-Entusiasten par excellence!!!
Diese entschleunigte Art des Reisens entschädigt ganz viel – Das ist mir als quasi Neuling auf Eisen-Rädern sehr bewusst geworden – Toll!
Auch mit Maria habe ich mich in der Inlandsbahn sehr gut unterhalten – Sie ist Krankenschwester und nutzt diese Züge zum pendeln von Ihrem Wohnort zum nächsten Krankenhaus, in dem sie arbeitet.
Und mit dem Rollstuhl habe ich ja quasi immer ein offensichtliches Thema „unter dem Hintern“.
Sie ist dann kurz vor Mora „außerplanmäßig“ ausgestiegen – weil der Zugführer natürlich nahe Ihres Wohnhauses gehalten hat! Bahnhof braucht man dafür nicht zwingend 😉 Schön, das zu erleben!
Am frühen Nachmittag sind wir in Mora angekommen und wechselten den Zug für unser nächstes Ziel. Und an der Größe des Zuges kann man den Status der Rückreise ablesen.
Dieser hier war schon wieder ein „offizieller“ Regionalzug. Bedeutet also wieder Liftplattform für Rollstühle samt Fahrer, Abstellmöglichkeiten und auch passende Toiletten für Menschen mit Einschränkungen.


Und gegen 16:00 Uhr stiegen wir wieder ein… Also ließen uns von der Zugrampe reingeben. Diesmal mit dem Ziel Stockholm!

Während unsere gesamten Reise hat es Jochen immer geschafft, uns Plätze zu reservieren, an denen wir uns gegenüber saßen, eine Ablage / kleinen Tisch hatte… War toll und echt kommunikativ!

Kurz nach der Abfahrt sind wir natürlich wieder Richtung Speisewagen aufgebrochen, um uns mit dem Angeboten dort vertraut zu machen.
Google kann da helfen… Hat alles geklappt, gut geschmeckt und satt gemacht!

Wir kamen um kurz nach 18:00 Uhr in Stockholm an. Unser Hotel, das Elite-Adlon, war sehr ansprechend.
Und natürlich habe ich eine junge Damen angesprochen, in welcher Beziehung das Haus denn zum Namensgeber in Berlin steht… Das hat zu fragenden Augen geführt, was ich natürlich nicht bezweckt habe.
Eine Kollegin hat das kurz aufgeklärt, dass es eben das Adlon am Brandenburger Tor auch gäbe.
Und weil das so nett aufgelöst war, habe ich noch meinen Wunsch nach einem kleinen Becher Öl geäußert.
Der wurde mir dann tatsächlich 10 Minuten später auf unser Zimmer gebracht.

Nach dem sehr guten Schlaf im Elite-Adlon sind wir zum Frühstück aufgebrochen. Sehr umfangreich, riesen Angebot – aber auch viele Menschen an den Tischen und am Buffet.
Super gestärkt ging es zurück ins Zimmer. Und die Reparatur / Instandsetzung konnte starten:
Also Ölkännchen in die Hand, Toilettenpapier getränkt und vorsichtig aufgetragen…
Hat fantastisch funktioniert! Ein rund laufendes Rädchen, dass niemanden mehr zum Lärmschutz-Opfer machte.
Wir haben also quasi den „Roten Vogel“ zum Schweigen gebracht.

Und dann los zum Bahnhof. Wir hatten Einges an Zeit-Puffer eingeplant, aber es war dann doch ein bisschen hektisch – denn das Leitsystem / die Beschilderung hat mich als Bahnhof-Beginner, aber auch Jochen mit ganz viel Erfahrung etwas verwirrt.
OK, um 10:20 Uhr stiegen wir am richtigen Bahngleis in den richtigen Zug nach Göteborg – Klar Zustieg für mich easy, weil mit Rampe im Zug!

Per SMS wurde Jochen schon am Abend benachrichtigt, dass der Zug die Strecke nicht ganz schaffen wird, aber Zug-Ersatz-Verkehr eingerichtet ist. Also letzte Teilstrecke mit ´nem Bus.
Auf dem Laufenden sind wir dann entspannt in den Speisewagen und haben dort zu Mittag gegessen.
Aber leider, leider hat es nicht ganz so geklappt: Der Zug blieb in Skövde erst zu einem Reparatur-Versuch stehen… Der Versuch gelang nicht, weshalb wir aussteigen und eine andere Lösung für die Weiterfahrt finden mussten.
Und dann standen wir vor dem Bahnhofsgebäude und haben recherchiert. Taxi-App geladen und versucht, ein Fahrzeug nach Göteborg zu ordern… Ist mir scheinbar nicht gelungen. Dann telefonisch mit dem Call-Center gesprochen, und wieder gewartet. Irgendwann hat dann der Taxi-Fahrer des online gebuchten Fahrzeugs angerufen, wo wir denn stünden – trotz Erklärung, auch mit Hilfe eines Fahrers neben uns kam da nichts zustande.
Also nach langem Hin-und-Her und Diskussionen am Telefon sind wir dann eben doch in dieses „freie“ Taxi gestiegen, obwohl uns das nicht seriös vorkam…

OK, also zumindest in der richtigen Richtung Unterweg… Wir hatten dann eine wirklich gute und oft etwas zu zügige Fahrt Richtung Fährhafen.
Und dann war wieder ein Schritt geschafft: Wir waren am Terminal der Stena Line!

Und dann auch gleich einigermaßen erledigt in die Rollstuhl-Kabine der Fähre.

Koffer abgestellt, weiter zum Restaurant und erstmal etwas zwischen die Kiefern bekommen.

Jochens Steak war sehr ansprechend, ich musste noch etwas länger warten, weil der gelieferte Burgen war nicht wie bestellt vegetarisch, sondern Rind. Wir haben uns sehr gewundert, dass dieser Situation gefühlt 2 Minuten später eine weitere Lieferung folgte — Keine Ahnung, ob ich da Rindfleisch gegessen habe.
Überlebt und trotzdem ein komisches Gefühl
Das Essen war auch für mich etwas anstrengend. Nicht wegen dem Burger, sondern wegen 5 englischen Fußball-Fans, die um die Ecke saßen und lautstark eher 30 englische Fans „simulierten“.
Aber ich war auch echt groggy und mein Stress-Level ohnehin etwas strapaziert…
Jochen ist dann nochmal an Deck – und dieses Bild ist natürlich eine tolle Erinnerung an das letzte Stück Reise ohne Eisen-Gleis unter uns 😉

Nach dem sehr ausgiebigen Frühstück hieß es auch schon wieder, die Kabine langsam zu verlassen und uns für das Ankommen in Kiel vorzubereiten.

Wir erreichten den Hafen in Kiel völlig planmäßi.
Nach dem Off-Boarding sind wir zum Bahnhof gelaufen, der sich in 10 Minuten leicht erreichen ließ.
Dort noch Proviant einkaufen und um 11:30 Uhr fuhren wir mit dem ICE ab Richtung Heimat.

In Kassel-Wilhelmshöhe angekommen, verbrachten wir die aufgrund einer Verspätung entstandenen Wartezeit von 90 Minuten in der voll klimatisierten Halle des DB-Reisezentrums…
Die hohen Temperaturen in Deutschland haben wir in Skandinavien auf unseren Smartphones verfolgt – mit einer sehr großen Erleichterung darüber, dass wir dem komplett ausgewichen sind… Am Polarkreis waren es etwa 12 Grad Celsius.. Welch ein Glück!


Der Zug fuhr mit etwas Verspätung in Kassel ab; sogar mit mir und dem Rollstuhl zusammen…
Das ist eine eigene Geschichte über deutsche Haftungsfragen, Hilfedienstleistungen und Menschenverstand, den ich langsam verliere…
Um 17:45 Uhr kam mein Zug in Fulda an. Zusammen mit Jochen lud ich den Koffer, den Rollstuhl und mich auf den Bahnsteig. Dort wartete meine Liebste schon auf mich, wir schlenderten Richtung Parkplatz und um 18:30 Uhr war ich gesund, glücklich und sehr, sehr zufrieden in meinem Zuhause.
In den kommenden Tagen habe ich einige Zeit damit verbracht, meine Fahrgastrechte gegenüber der DB zu klären, habe einen schicken Brief an das Reisezentrum geschrieben und um Prüfung eines Schadenersatzes für die Nichterreichung vom Kiel, die verlorenen Kosten meine Fähre, des Taxi zum Flughafen, Hotelrechnung in Oslo geschrieben.
Ist mittlerweile erledigt – der Ausgang ist sehr befriedigend – NICHT!
Aber diese Dinge schaffen es auf keinen Fall, diese vielen schönen Stunden, Momente, Erlebnisse und Gespräche in irgendeiner Form zu trügen!
Es war eine fantastische Reise! Und ich bin so sehr froh und dankbar, dass ich diese Zeit zusammen mit Jochen verbringen konnte!
Der Eisenbahn- und der Rollstuhl-Freak gemeinsam auf Reise! Was für eine coole Sache!!!
Danke Jochen dafür, und danke, dass Du die nächste gemeinsame Tour schon in der Planung hast!!!
Und natürlich allen Lesern vielen Dank für das Interesse!
Wir hoffen, mit dem Bericht Lust und Mut für solche Ausflüge machen zu können!















































