Eine super Reise, die in vielerlei Hinsicht ganz anders lief, als ich es mir vorgestellt hatte.
Am 19. Juni stand ich tatsächlich schon um 4:40 Uhr in der Früh auf dem Bahngleis am Fuldaer Bahnhof.
Warum denn so früh? Weil ich einen ausreichend großen Sicherheit-Puffer haben wollte, um auf jeden Fall meine Fähre in Kiel rechtzeitig und stressfrei zu erreichen. Die Color-Line fuhr dort nämlich um 14:00 Uhr ab Richtung Oslo – dem Ausgangspunkt der Rundreise durch Skandinavien…
Und genau dort wollte ich mit meinem Freund Jochen nach der Überfahrt zusammenkommen und unsere 9-tägige Tour durch Norwegen, Schweden und Finnland zu starten.
Durch seine großartige Expertise und Detailarbeit hat er schon lange eine Route ausgearbeitet, die uns in den nächsten Tagen an viele interessante Orte und über spannende Strecken führen sollte!
Hier findet Ihr seinen Reisebericht in drei Teilen:
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,11513870
Da wir fast ausschließlich Züge nutzten und Bahnhöfe ansteuerten, stand natürlich schon lange die Frage im Raum, welchen meiner Rollstühle ich denn dafür nutze. Nach einigen Überlegungen habe ich mich entschieden, mir für die Reise extra einen weiteren Rolli zu mieten… Es ging um Gewicht, Reichweite, Größe etc.
Ich brauche einen faltbaren Elektro-Rollstuhl. Und schnell fiel dann die Wahl auf das Angebot von Ergoflix.
Faltbarer Elektro-Rollstuhl, ausreichende Reichweite von 30 km, nur etwas über 20 kg schwer.
Und für 4 Wochen Mietzeitraum habe ich € 439,- bezahlt.
Weil wir natürlich nicht nur Züge zum schnellen Vorwärtskommen auf unserer Liste hatten, sondern eben auch Bummelzüge, mit denen wir die Landschaft genießen wollten.
Aber dann eben auch ohne Hebebühnen, Rollstuhl-Plätzen etc.

Der ICE solte um 10:40 Uhr in Kiel eintreffen, also wirklich viel Zeit für das Umsteigen auf die Fähre…
Dachte ich! Aber es kam ganz anders:
Der ICE schaffte es bis Hannover, Weiterfahrt ausgeschlossen! Und Kiel war auch mit einem anderen Zug nicht möglich – weshalb uns dann ein Zug nach Hamburg angeboten wurde…
Zum Glück hatte ich ab diesem Zeitpunkt quasi eine Standleitung nach Oslo. Dort war Jochen ja schon und ab diesem Moment standen wir in regelmäßigen Telefonkontakt, welche Optionen sich denn anbieten.
Es war schnell klar, dass ich die Fähre in Kiel nicht mehr rechtzeitig erreichen werden.
Umdisponieren also – am Hamburger Flughafen gab es noch einen Flug nach Oslo am Nachmittag.
Um 12.21 Uhr erreichte der ICE Hamburg. Aber aufgrund ausgefallener Fahrstühle am Hauptbahnhof die nächste Haltestelle Hamburg Dammtor.

Ich bin dann mit dem Taxi von dort an den Hamburger Flughafen und vergesse die erste Begegnung dort sicher nicht!
Bin an einen Info-Schalter des Flughafens und habe meine Situation geschildert: „Ich muss heute mit dem Flieger der norwegian-Airline nach Oslo – zusammen mit meinem Elektro-Rollstuhl…“
Also drei fantastische Bedingungen: Ich mit den Nerven durch, kein Flugticket und außerdem eine Batterie im Rollstuhl, die eigentlich immer 24 Stunden vor Abflug mit allerlei technischen Daten angemeldet werden muss, um in ein Flugzeug zu dürfen…
Laura, die Mitarbeiterin des Flughafens, war gefühlt die nächsten 120 Minuten an meiner Seite, hat viele Telefonate geführt – bis ich schließlich das Ticket für den Flug nach Oslo in den Hand hatte…

Mir viel in diesem Moment ein riesiger Stein ab – es war tatsächlich über meiner Energie-Grenze… Und also dann noch einer der beiden Akkus im Rollstuhl verhakt war und sich nicht lösen ließ…
Aber irgendwann war das alles geschafft und ich saß im Flieger nach Oslo!!

In Oslo angekommen hat mit Jochen am Flughafen empfangen und wir sind zusammen direkt in das direkt benachbarte Radisson-Hotel. Dort habe ich mir ein Zimmer für die Nacht gebucht – dann ging es ins Restaurant – endlich etwas zu Essen… Habe ich total vergessen in den Stress.
Ich bin nach dem sehr leckeren Essen um 22:30 Uhr im Hotelzimmer angekommen; Gefühlt fünf Minuten später habe ich tief geschlafen.

Ausgeschlafen und durch ein großes Frühstücksbuffet gestärkt bin ich dann – wieder mit dem Taxi nach Oslo in die Innenstadt aufgebrochen, um dort mit Jochen zusammen zu kommen und endlich die eigentliche Reise zu starten. Und bei dieser Gelegenheit durfte ich Gisela kennenlernen – Familienmitglied aus Jochens Verwandtschaft. Sehr interessant – wir sind mit Ihr zusammen eine kleine Runde durch das Wohnviertel geschlendert, in dem sie lebt.
Sehr schöne Gegend, viel Grün, öffentlichen Saunen, Cafe´s –in einem haben wir dann etwas Süßes genossen, bevor wir uns Richtung Bahnhof verabschiedet haben.

Um 17:00 Uhr waren wir pünktlich am Gleis und ich war das erste Mal in der Situation, wie der Einstieg mit Rollstuhl hier wohl klappt.
Und siehe da: Wie im Vorfeld per Mail angefragt, gab es keinerlei Schwierigkeiten.
Der Zug war vom Bahnsteig aus quasi auf gleicher Höhe zu befahren. Und super gelöst war es, in diesen Zügen auf die Ebene der Sitzplätze zu kommen! Hubplattform innerhalb des Zuges!
Und natürlich eine sehr hilfsbereite Zugbegleiterin.

Und dann lag die erste Strecke vor uns: Von Oslo nach Karlstad
Durch schöne Landschaft mit ganz vielen Seen und Flüssen haben wir das tolle Wetter und schöne Aussichten sehr genossen.


Und weil auch Reisen und die vielen Eindrücke Energie kosten, sind wir nach einer kurzen Runde doch die Fußgängerzone von Karlstad dann sehr zufrieden in unsere Hotelbetten gefallen – beides in der Nähe des Bahnhofes, also zu Fuß bzw. Rolli gut erreichbar.
Ach ja: Die schwedischen Fußball-Fans, mit denen wir gerne den Sieg über Holland gefeiert hätten, haben trotz des Endstandes von 1:5 in diesem WM-Spiel das sehr locker genommen und den Abend genossen und in den Straßen gefeiert ;.)
Am nächsten Morgen haben wir uns am Frühstücksbuffet des Hotels bedient und waren gegen 08:00 Uhr wieder auf dem Weg zum Bahnhof.
Auch in diesen Zug ging es auf gleicher Höhe von Bahnsteig über eine kleine Brücke in unseren Zug nach Stockholm. Also für mich easy – Rampe / Brücke im Zug, freundliches Personal!

Und natürlich waren wir schnell dabei, als uns ein Frühstück am Platz angeboten wurde. Brötchen, Marmelade, Honig und sogar ein Ei zur Stärkung bis zur Ankunft in Stockholm!

Und dann kamen wir in Stockholm an… Riesengroßer Bahnhof, viele Menschen, Großstadt eben. Und weil wir ein Programm hatten, sind wir zügig aufgebrochen und Richtung Anlegestellen unterwegs gewesen.
An vielen wunderbaren Bauten vorbei – und immer umspült von so viel Wasser…

Und nach einigem Suchen haben wir es doch gefunden: Das kleine Ausflugs-Schiff, mit dem wir zwei Stunden die schönen Stadtansichten vom Wasser aus sehen konnten.
Und Alex, der Guide, hat während dieser Fahrt ganz viele, sehr interessante Infos und auch lustige Geschichten über Stockholm erzählt… Spannend und unterhaltsam.
Zum Beispiel, dass Stockholm in der letzten Eiszeit etwa 2.000 m hohem Eis bedeckt war…

Um 20:00 Uhr waren wir dann auch pünktlich am Terminal der Viking-Fähre, mit der wir die Überfahrt nach Finnland genauer gesagt nach Turku machen wollten.
Und auf dem Schiff haben wir an diesem Abend mal wieder richtig genossen. Das Restaurant auf der siebten Ebene war toll. Super Küche, Piano-Musik und ein toller Service; So kann jeder Abend zu Ende gehen…
Und weil Jochen und ich quasi zeitgleich wach wurden, haben wir den Mitsommer genutzt und sind auf das Freideck der Fähre gegangen.
Keine Menschenseele, aber eine bombastische Stimmung!

Und nach dem Anlegen in Turku wartete schon unser nächster Zug auf uns: Es ging von Turku über Tampere nach Helsinki,.
Und weil das ein Doppelstock-Wagen war, habe ich meinen Rolli kurzerhand gefaltet und mit den Reisetaschen zusammen in ein dafür vorgesehenes Regal gestopft…
Und da hab ich es wieder stark empfunden: Ganz große Dankbarkeit – Rollstuhl mieten, Reise buchen, Treppen steigen, Freund dabei… Es ist unwahrscheinlich schön, dass ich da alles habe und kann!




